Bezirksorganisation St. Pölten

  • Facebook icon

Ein Hauch von Weihrauch!

Der SPÖ-Abgeordnete Robert Laimer und Ex-NEOS Abgeordneter Niko Alm haben sich am 06. März 2019 im REDpoint in St. Pölten getroffen, um der Frage nachzugehen, wie mit Religion Politik gemacht wird. Anlass war die Buchpräsentation „Ohne Bekenntnis“, eine soeben publizierte Lektüre von Alm, in der die Trennung von Kirche und Staat sehr kritisch beleuchtet wird. Im Anschluss fand eine rege Diskussion mit Publikumsteilnahme statt.

Im Buch „Ohne Bekenntnis“, welches in Auszügen im REDpoint rezitiert wurde, richtet Alm seine Kritik an die Politik, nicht aber an die Religionen selbst. Die Politik habe dafür zu sorgen, dass alle Religionen sich nach allgemeingültigen Gesetzen richten und keine Sonderrechte erhalten, sodass eine freie Entfaltung aller Weltanschauungen gewährleistet ist. Ob die Religionen es schaffen, aus eigenem Antrieb modern und aufgeklärt zu werden, ist eine andere Frage. Das österreichische Islamgesetz wurde von Niko Alm als Beispiel für falsche und schlechte Gesetzgebung angeführt.

Weiters ging Alm darauf ein, dass es bezüglich der Religionen eine politische Überkorrektheit gibt. Religiöse Wehleidigkeit sei das zentrale religiöse Gefühl, aber nur, wenn die eigene Religion kritisiert wird. Ein Gutteil aller Religionsgesetzgebung ist deswegen das Schaffen von Ausnahmen und Sonderbehandlungen. Auch die Kritik am Katholizismus kam nicht zu kurz, wobei das Buch auch andere Religionen behandelt.

Für Robert Laimer, der nach der Buchpräsentation zur Diskussion geladen hat, findet die Einflussnahme von Religion und Politik wechselseitig statt – und das in sehr vielen Themenbereichen, wie aktuell der Karfreitags-Diskussion. Er spricht in diesem Zusammenhang bewusst von einer „türkis-blauen Gegenreformation“, die hier mit voller Absicht gegen hart erkämpfte Rechte und ein aufgeklärtes, säkulares Weltbild antritt. „In Österreich beruht die Trennung von Kirche und Staat, also der Laizismus, auf einem schlampigen Verhältnis. Hinzu kommt, dass FPÖ und ÖVP Religionsgemeinschaften in populistischer Art und Weise für ihre Zwecke missbrauchen. Eine besonders perfide Strategie hat Sebastian Kurz verfolgt, indem er die Schließung einiger Moscheen veranlasst hat. Dies war purer Populismus, denn vor Gericht hat dieser Aktionismus nicht standgehalten. Solche Scheingefechte nutzen freilich auch andere Scharfmacher wie Erdogan & Co., die ihrerseits ebenso politisches Kleingeld daraus schlagen wollen. Daher sage ich, ein wirklich weltanschaulich-religiös neutraler Staat würde Menschen nicht aufgrund ihrer Religion bewerten, sondern integrativ wirken. Und das ist nur mit Laizität zu erreichen!“, so Laimer.

Am Ende der Veranstaltung waren sich Laimer und Alm einig, dass Religion Privatsache ist.

Weitere Informationen Buch und Autor: ohnebekenntn.is

Weitere Informationen zum Pastafarianismus: ramenichfrageeuch.wordpress.com